Die Bewerbung ist für viele Menschen ein leidiges Thema, mit dem sich nur widerwillig beschäftigt wird. Kein Wunder, gleicht der Bewerbungsprozess mitunter einem undurchsichtigen Dickicht aus Regeln, Vorschriften, Tipps, Formalitäten und sonstigen Dingen, die Bewerber im Idealfall beachten sollten. Es verwundert daher noch weniger, dass besonders im Zeitalter des Internets und der vielen Bewerbungsratgeber, die heutzutage im Umlauf sind, einige Mythen rund um die Bewerbung entstanden sind. In diesem Artikel gehen wir der Sache auf den Grund und wollen Ihnen zeigen, wie viel Wahrheitsgehalt in diesen Mythen steckt.

Mythos 1: Der Lebenslauf muss auf eine Seite passen

Man muss nur einmal die Suchkombination „Lebenslauf zwei Seiten“ bei Google eingeben, um festzustellen, dass auch heutzutage noch offensichtlich bei vielen Bewerbern Unklarheit darüber besteht, wie viele Seiten ihr Lebenslauf umfassen darf. Der Mythos, dass ein Lebenslauf auf keinen Fall länger als eine DIN A4-Seite sein darf, hält sich also hartnäckig. Vorneweg: Es gibt keine offizielle Vorschrift, die den Umfang eines Lebenslaufs regelt. Vielmehr sollten Sie bei der Erstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen nach dem Leitsatz vorgehen, so ausführlich wie nötig und so knapp wie möglich zu schreiben.

Daher ergeben sich je nach Ausgangslage des Bewerbers ganz unterschiedliche Lebensläufe. Klar, dass ein Berufsanfänger außer der schulischen oder akademischen Bildung in der Regel wenig Berufserfahrung vorzuweisen hat. Den Lebenslauf zwanghaft auf zwei Seiten zu strecken, damit er nach „mehr“ aussieht, ist an dieser Stelle wohl kaum authentisch und daher nicht zu empfehlen. Anders sieht das Ganze natürlich bei Personen aus, die bereits seit längerer Zeit im Berufsleben stehen. Mehrere Jobs, Qualifikationen und Weiterbildungen brauchen ihren Platz. Auf einer Seite wird dies kaum zu bewerkstelligen sein, weshalb ohne Bedenken auf zwei Seiten, bei entsprechend großer Berufserfahrung auch auf drei Seiten erweitert werden darf.

Mythos 2: Nur der Inhalt zählt

Grundsätzlich ist es keineswegs eine falsche Annahme, dass es bei einer Bewerbung vor allem auf einen überzeugenden und klar strukturierten Inhalt ankommt. Wir gehen sogar so weit und sagen, dass es ohne ein inhaltlich ansprechendes Anschreiben und einen Lebenslauf mit den entsprechenden Qualifikationen sehr schwierig werden könnte, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Diese Annahme schließt allerdings nicht aus, dass ein ansprechendes Design weniger wichtig ist. Anders ausgedrückt: Was bringt Ihnen eine inhaltlich perfekte Bewerbung, wenn sie bezüglich der Optik und der Strukturierung derart mangelhaft ist, dass der Personaler den eigentlich perfekten Inhalt gar nicht zu sehen bekommt, weil er sie bereits vorher aussortiert hat?

Studien haben gezeigt, dass Personalverantwortliche unabhängig der Qualifikation des Bewerbers am meisten von Bewerbungen mit einem ansprechenden Design und einer guten Struktur beeindruckt sind. Jeder vierte Personaler erachtet eine schlampige Formatierung oder unordentliche Bewerbungsunterlagen als K.O.-Kriterien.

Es gilt: Eine optisch gelungene Bewerbung kann nicht über fehlende Qualifizierung oder schlechten Inhalt hinwegtäuschen, aber sie kann dafür sorgen, dass Ihre Unterlagen eher auffallen und somit beachtet werden und vielleicht im Gedächtnis des Personalers bleiben.

Mythos 3: So viele Bewerbungen wie möglich schreiben

Besonders in Internetforen, die sich mit dem Thema Bewerbung beschäftigen, liest man häufig Sätze wie

„Ich habe mittlerweile 180 Bewerbungen geschrieben und habe immer noch keinen Job bekommen!“

Oder vielleicht waren Sie selbst schon einmal auf einer etwas längeren Stellensuche und haben aus Ihrem Umfeld den Ratschlag bekommen, so viele Bewerbungen wie nur möglich zu schreiben.

Grundsätzlich ist es natürlich nicht falsch, die Bewerbungen breit zu streuen und sich nicht auf eine Handvoll Stellen zu beschränken. Das heißt aber nicht, Massen an Bewerbungen zu verschicken, wo Sie lediglich das Datum und die Adresse des jeweiligen Unternehmens ändern. Denn bei insgesamt 180 Bewerbungen liegt der Verdacht nahe, dass es sich um reine Massenware handelt, welche nicht auf den jeweiligen Betrieb und die spezifische Stellenausschreibung abgestimmt wurde. Allerdings ist genau das ein essenzieller Bestandteil eines gelungenen Bewerbungsschreibens. Eindeutige Musteranschreiben, die an mehrere Unternehmen versendet werden sowie ein fehlender Unternehmensbezug sind Personalern ein Dorn im Auge und führen nicht selten zu einer direkten Absage.

Der Mythos, dass man seine Jobchance erheblich steigert, wenn man sich auf so viele Stellen wie möglich bei so vielen Unternehmen wie möglich bewirbt, bleibt also genau das – ein Mythos. Hier gilt besonders: Qualität geht vor Quantität. Investieren Sie lieber etwas mehr Zeit in die Erstellung Ihrer Bewerbung, auch wenn Sie dadurch insgesamt weniger schaffen werden. Es lohnt sich!

Mythos 4: Personaler haben bestimmte Ausschlusskriterien

Dass Personaler Bewerbungen aus dem riesigen Stapel rigoros aussortieren, sobald zum Beispiel eine Unterschrift auf dem Lebenslauf fehlt oder die Schriftart eine Nummer zu groß ist, ist ein hartnäckiger Mythos. Viele Bewerbungsratgeber weisen jedoch darauf hin, dass in den Personalabteilungen nach solchen Ausschlusskriterien gehandelt wird und viele Bewerber glauben dies auch.

Wir können dazu lediglich sagen, dass Ihre Bewerbungsunterlagen in 9 von 10 Fällen nicht aufgrund einer fehlenden Unterschrift aus dem Rennen sind. Und den einen Fall, in dem sie doch aussortiert werden, können Sie vielleicht eher verschmerzen, wenn Sie sich überlegen, ob Sie für ein Unternehmen arbeiten möchten, dass Ihre Bewerbung nur wegen einer solchen Kleinigkeit nicht näher betrachtet.

Natürlich soll das an dieser Stelle keine Einladung dazu sein, nicht sorgfältig bei der Erstellung Ihrer Bewerbung vorzugehen. Grobe Schnitzer, wie etwa gravierende Rechtschreibfehler, Copy-Paste-Anschreiben oder lückenhafte Lebensläufe werden immer noch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass Ihre Bewerbung sofort den Weg in den Mülleimer findet oder Ihre Chancen auf eine Einstellung zumindest drastisch sinken.

Mythos 5: Wenn nicht alle Anforderungen erfüllt sind, hat eine Bewerbung keinen Sinn

Vor allem Absolventen, die gerade frisch aus der Uni kommen, werden folgendes Problem nur zu gut kennen. Nach erfolgreichem Studienabschluss steht der Start in das Berufsleben an. Es werden also allerhand Stellenbörsen durchforstet, Karrieremessen besucht und das persönliche Netzwerk zur Stellensuche aktiviert. Und ehe man sich versieht, findet man eine Stellenausschreibung, deren Beschreibung perfekt zu den eigenen Interessen und Wünschen passt. Alles perfekt, oder?

Die Krux liegt oftmals in den Anforderungen, die der Arbeitgeber an die potenziellen Bewerber stellt. Ein Studium in Regelzeit soll es sein, ein Auslandsaufenthalt ist schon fast obligatorisch und am besten wurden während der Studienzeit schon fünf Praktika absolviert und nebenbei noch ein ehrenamtliches Engagement verfolgt. Während diese Aspekte noch mehr oder weniger realisierbar sind, schwebt das Wörtchen Berufserfahrung wie eine dunkle Wolke über den Köpfen der Bewerber. Denn nicht selten wird für eine Stelle eine Berufserfahrung von mindestens zwei oder drei Jahren vorausgesetzt – für die meisten Bewerber nur schwer möglich.

Doch sollten Sie deswegen sofort aufgeben und die Bewerbung lieber nicht schreiben? Wir sagen: Nein! Oft ist es so, dass es sich bei einigen Anforderungen um sogenannte Kann-Anforderungen handelt, nicht aber um Muss-Anforderungen. Wenn es also nur wünschenswert wäre, dass Sie bereits mehrjährige Erfahrung vorweisen können, heißt das für Sie, dass zwar bevorzugt Leute gesucht werden, die bereits einige Jahre im jeweiligen Beruf gearbeitet haben, Ihre Bewerbung aufgrund mangelnder Erfahrung jedoch keinesfalls aussortiert wird.

Vielleicht können Sie ja mit besonderen Fähigkeiten aufwarten, die diesen kleinen Makel im Handumdrehen ausmerzen. Sie können sich sicher sein: In den wenigsten Fällen werden Sie alle Anforderungen für einen Job erfüllen können. Das ist aber absolut kein Problem. Betrachten Sie die Stellenausschreibung als die Beschreibung eines perfekten Mitarbeiters. Dem Unternehmen ist selbstverständlich bewusst, dass es den perfekten Mitarbeiter nicht gibt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bewerben Sie sich, auch wenn Sie nicht alle Anforderungen zu 100 % erfüllen!

 

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Fabi

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