Was Du bei Deiner Ausbildungs- und Studienwahl beachten solltest

Ein Interview mit Matthias – Berufsberater bei Karriere-Navi

Für viele Schüler neigt sich so langsam die Schulzeit dem Ende zu. Aber was passiert danach? Für welches Studium oder welche Ausbildung sollst Du Dich jetzt entscheiden?

Wir haben für Dich Matthias befragt. Matthias ist Berufsberater bei Karriere-Navi und hilft täglich in seinen Coachings, Video-Kursen und Vorträgen Schülern und Studenten bei der Berufsorientierung.

 

Hallo Matthias. Was ist aus Deiner Sicht die größte Herausforderung für Schüler bei der Ausbildungs- und Studienwahl?

Hey Fabi! Es gibt eigentlich zwei wesentliche Aspekte. Zum einen ist das die Qual der Wahl: Allein in Deutschland gibt es mittlerweile über 400 Ausbildungsberufe und knapp 18.000 unterschiedliche Studiengänge. Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, sich für eine Ausbildung oder einen Studiengang zu entscheiden. Für Schüler ist es aber natürlich super schwer, sich zunächst einen Überblick über die unterschiedlichen Studien- und Ausbildungsalternativen zu verschaffen und sich dann im Anschluss auch wirklich selbstbewusst für eine der Optionen zu entscheiden.

Alles wäre einfacher, wenn man schon Auswahlkriterien hätte, nach denen man gezielt suchen oder fragen könnte. Wer weiß, wonach er sucht, hat es da leichter. Ich habe als Schüler immer gesagt „Ich weiß selbst am besten, was gut für mich ist“. Aber ich konnte nicht beschreiben, was ich wirklich wollte. Und so geht es den meisten Schülern, denen ich heute helfe. Sie fangen wie ich damals fast an zu stottern, wenn es darum geht, die eigenen Stärken und Schwächen zu formulieren. Manche kommen nicht einmal beim Thema „Interessen“ sehr weit. (Könntest Du auf Anhieb 5 Antworten zu diesen drei Eigenschaften geben?) Weil unser Schulsystem alle Schüler auf Norm trimmt, weiß heute auch kaum noch jemand, welche Potenziale in ihm schlummern. Schüler orientieren sich bei solchen Fragen oft nur noch an Schulnoten und -fächern. Kaum jemand weiß, welche spannenden Themen, Aufgaben und Arbeitsumgebungen es außerhalb der Schule gibt.

Die größte Herausforderung liegt meiner Meinung nach genau hier! Wer nicht weiß, was er will, wer nicht beschreiben kann, in welchem Umfeld er sich wohl und motiviert fühlt, dem kann auch ein Berufsberater nicht sagen, welche Berufe interessant sein könnten. Erstes Ziel unserer Coachings ist es, genau diese Persönlichkeit wieder bewusst zu machen.

 

Wieso ist die eigene Persönlichkeit im Berufswahlprozess so wichtig?

Die Analyse der eigenen Persönlichkeit sollte immer der Dreh- und Angelpunkt der Berufswahl sein. Es ist die absolute Voraussetzung dafür, dass man als Schüler wirklich einen Beruf findet, für den man gerne jeden Morgen aufsteht, einen Beruf, bei dem sich Arbeit nicht nur wie Arbeit anfühlt, sondern der für einen selbst auch Sinn macht. Wer sich zunächst Klarheit über die eigenen Interessen, Stärken, Talente und vor allem persönliche Bedürfnisse verschafft hat, kann Kriterien daraus ableiten, die im Berufsleben wichtig sind. Wer sich in erster Linie an Verdienstmöglichkeiten orientiert, muss bedenken, dass der Verdienst letztlich von der eigenen Leistung abhängt. Und wer bitte erbringt herausragende Leistungen, wenn er 8 oder 10 Stunden am Tag mit Dingen beschäftigt ist, die ihn nicht wirklich interessieren?

Die Frage, wie Schüler ihre Persönlichkeit besser kennenlernen, ist leicht zu beantworten. Es ist grundsätzlich ein Prozess des Beobachtens und Analysierens – also keine Sache von ein paar Minuten. Kein Berufs- oder Bewerbungscoach kann Dir das Nachdenken abnehmen. Es ist wichtig, dass Du überlegst, was Du als Kind schon gerne gemacht hast und in welcher Umgebung Du Dich wohlgefühlt hast. Mit welchen Kameraden würdest Du Dich umgeben, wenn Du wählen könntest und warum? Welche Kurse würdest Du wählen, wenn Du die freie Auswahl hättest, wenn Talent und Noten keine Rolle spielen würden?

Es gibt gezielte Fragen, die uns nachdenklich werden lassen und unbewusste Stärken, Interessen und Bedürfnisse wieder hervorbringen.

Für alle, die sich noch ein wenig orientierungslos fühlen, haben wir ein kostenfreies E-Mail-Coaching auf die Beine gestellt. Hier zeigen wir Schülern 1x pro Woche unterschiedliche Übungen & Tools, mit denen man die eigene Persönlichkeit systematisch reflektieren kann. Wer sich dafür die Zeit nimmt, wird im wahrsten Sinne des Wortes „selbst-bewusster“ an die Berufswahl, die Bewerbung und jedes Vorstellungsgespräch gehen.

 

Was ist aus Deiner Erfahrung der größte Fehler, den viele Schüler bei der Berufsorientierung machen?

Das ist mit Sicherheit die „Aufschieberitis“. Als Schüler haben wir nicht unbedingt Bock, uns mit dem Thema Berufswahl zu beschäftigen. Wir gehen am Wochenende lieber feiern, machen Sport oder spielen Playstation mit unseren Freunden.

Die eigene Berufsorientierung wird schnell immer weiter aufgeschoben, bis es irgendwann schon spät ist. Viele Schüler entscheiden sich unter Zeitdruck für eine Ausbildung oder schreiben sich für ein Studium ein, ohne sich intensiv darüber Gedanken gemacht zu haben, ob es wirklich das richtige für sie ist. Dies liegt unter anderem daran, dass meist eine klare Struktur bzw. Herangehensweise an das Thema Berufswahl fehlt.

 

Hast Du hierzu einen wichtigen Tipp für Schüler?

Beschäftige Dich als Schüler möglichst frühzeitig mit Deiner Berufs-, Studien- und Ausbildungswahl. Jede Mühe, jede Minute, die man hierfür investiert, lohnt sich! Was gibt es cooleres als sich nach der Schule genau mit den Themen zu beschäftigen, die einem Spaß machen? Die gesamte Schullaufbahn war vorgegeben und nun hast Du endlich die Chance, Dich für die Dinge zu entscheiden, auf die Du einfach Bock hast!

Je eher Du damit beginnst, herauszufinden, was Du wirklich willst, desto sicherer wirst Du in Deiner Entscheidung. Du hast dann einfach mehr Zeit, einen Gedanken, eine Idee aufzunehmen und auch zu prüfen, ob hier nur eine kleine Flamme in Dir lodert, die schnell wieder ausgeht, oder ob das Feuer lichterloh brennt. Es ist ja auch so, dass man viel mehr um sich herum wahrnimmt, wenn man sich bewusst mit einem Thema beschäftigt. Da kommen viele Einsichten ganz von alleine: Man schaut sich nicht mehr nur Filme an, sondern nimmt die Berufe darin wahr, die Umgebung, die Menschen. Man geht nicht mehr nur in die Schule, zum Arzt, in den Sportverein – man stellt fest, warum man sich den einen als Kollegen oder Chef vorstellen könnte, den anderen aber nicht. Man erhält so einen recht guten Einblick in die persönlichen Bedürfnisse und die Faktoren, die uns motivieren, zum Sport, zur Schule oder sonst wohin zu gehen, auch wenn wir dafür früh aufstehen müssen.

Wer unvorbereitet an das Thema Berufsorientierung herangeht, wird meist erschlagen von einer Informationsflut. Im Internet finden sich zudem oft widersprüchliche Informationen. Jetzt ist es wichtig, eine strukturierte Herangehensweise zu finden. Stell Dir vor, Du müsstest aus hunderten Reisezielen, die Du alle nicht kennst, entscheiden, wohin Deine Reise gehen soll. Wenn Du jetzt keine Kriterien hast, nach denen Du suchen kannst, wenn Du noch niemanden befragt hast, der sich auskennt, dann wird die Suche nach dem passenden Urlaubsziel zur Qual und die Chance, dass die Reise ein Reinfall wird, ist groß.

 

Wen sollen Schüler befragen? Können Tipps und Ratschläge von den Eltern und Freunden hilfreich sein?

Natürlich! Eltern, Freunde oder Verwandte können unterstützend zur Seite stehen. Womöglich haben Sie bereits Erfahrungen gemacht, von denen man profitieren kann oder man erhält komplett neue Impulse.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass man Eltern und Freunde zu ihren Berufen befragt. Hier kann man beispielsweise versuchen herauszufinden, wie ihre Arbeitsinhalte, ihre Tätigkeiten und ihr Arbeitsumfeld aussehen. Wenn man herausgefunden hat, was Anderen an ihrem Beruf Spaß macht und was sie eventuell in den Wahnsinn treibt, kann man diese Erkenntnisse für die eigene Berufswahl nutzen. Das kann in ganz unterschiedliche Richtungen gehen. Ich könnte beispielsweise feststellen, mit welchen Dingen ich mich später überhaupt nicht beschäftigen will.

Das wichtigste ist hierbei, dass man Erfahrungen, die andere gemacht haben, für sich selbst hinterfragt: Wenn sich meine Tante ärgert, dass in der Spedition „einfach nie etwas nach Plan läuft“, könnte das für mich eine willkommene Herausforderung sein. Wenn mein Onkel darüber klagt, dass er ständig unterwegs ist und sich täglich auf neue Menschen einstellen muss, dann kann sich das für mich spannend anhören. Oft würden wir die Erfahrungen der Freunde und Verwandten ganz anders bewerten, wenn wir uns in derselben Situation befinden würden. Trotzdem erfahren wir in diesen Gesprächen sehr viel. Neugierde ist bei der Berufswahl äußerst hilfreich! Je eher wir damit anfangen, neugierig zu sein, desto größer die Chance, dass wir entscheidende Erkenntnisse erlangen.

Super, vielen Dank für das spannende Interview, Matthias!

 

Über Karriere-Navi:

Matthias von Karriere-Navi

Das Projekt Karriere-Navi unterschützt Schüler und Studenten durch persönliche Berufsberatung, Video-Kurse, Bücher und einem kostenfreien E-Mail-Coaching bei der Berufsorientierung.

 

Matthias hat 2013 selbst seine Abiturprüfungen geschrieben. Er hatte Druck und Stress, gute Noten zu schreiben aber währenddessen plagte Ihn die Angst, dass er nicht den richtigen Studiengang bzw. den richtigen Beruf findet. Nachdem er viele unterschiedliche Dinge ausprobiert hat, die ihm nicht direkt weitergeholfen haben, ist er auf eine Lösung gestoßen und hat seine eigene Herangehensweise entwickelt. Mit seinem Projekt „Karriere-Navi“ hat er es sich zum Ziel gesetzt, seine Erfahrungen weiterzugeben und Schülern und Studenten den Berufseinstieg so einfach wie möglich zu gestalten.

Hier geht’s direkt zu seinem Projekt: www.karriere-navi.de

Über den Autor

Fabi

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