Das langersehnte Vorstellungsgespräch für Ihren Traumjob ist vorbei – also heißt es jetzt abwarten und Tee trinken? Sie denken sich, dass Sie ab jetzt sowieso nichts mehr tun können, als im besten Fall auf eine Zusage zu warten oder im schlimmsten Fall die niederschmetternde Absage hinzunehmen? Falsch gedacht! Auch nach einem Vorstellungsgespräch haben Sie durchaus noch Möglichkeiten, die Vergabe der Stelle zu Ihren Gunsten zu beeinflussen. Wir stellen Ihnen in diesem Beitrag eine solche Möglichkeit vor: das Dankschreiben.

Dankschreiben – ja oder nein?

An der Idee, ein Dankschreiben nach einem Vorstellungsgespräch zu verfassen, scheiden sich wie bei so vielen anderen Themen rund um die Bewerbung die Geister.

Dankschreiben sind zumindest in Deutschland in der Praxis noch nicht sehr gängiger Natur. Daher ist der große Vorteil eines solchen Schreibens: Sie werden definitiv auffallen. Der Nachteil: Sie werden definitiv auffallen. Was wir damit ausdrücken möchten: Es kommt ganz stark auf die Qualität des Dankschreibens an. Da Ihnen die Aufmerksamkeit sicher ist, zählt der gute Wille hier nicht unbedingt. Das Dankschreiben muss überzeugend sein, weshalb Sie sich keine Fehler erlauben dürfen.

Ob Sie sich für oder gegen ein Dankschreiben nach dem Vorstellungsgespräch entscheiden, ist daher ganz allein Ihre Entscheidung. Reflektieren Sie ehrlich das Vorstellungsgespräch und schätzen darauf aufbauend Ihre Chancen auf die Stelle ein. Hatten Sie während des Gespräches ein gutes Gefühl und haben Sie es bei dem Gedanken an ein Dankschreiben auch noch, spricht nichts dagegen, ein solches Schreiben zu verfassen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie dabei achten sollten.

Was bringt ein Dankschreiben nach einem Vorstellungsgespräch?

Das Ziel eines Dankschreibens ist relativ simpel. Sie rufen sich damit noch einmal in das Gedächtnis des Personalers und bekräftigen auf diesem Wege nochmals Ihr Interesse. So heben Sie sich von der Masse ab, was eventuell das entscheidende Zünglein an der Waage sein könnte.

Vielleicht können Sie, je nachdem wie das Gespräch gelaufen ist, etwaige Schwächen oder sonstige Unklarheiten, die Ihrer Meinung nach im Vorstellungsgespräch offengeblieben sind, thematisieren und diese somit relativieren bzw. klarstellen.

Auf jeden Fall signalisieren Sie Ihrem Ansprechpartner, dass Sie sich Gedanken gemacht haben und sich die Zeit genommen haben, sich bei ihm zu bedanken. Damit zeigen Sie ihm Ihre Wertschätzung und darüber hinaus die vielfach geforderte (Eigen-)Initiative.

Außerdem können Sie erneut auf Ihre Stärken und Ihre Qualifikationen eingehen, sofern es sich im Kontext der Stellenausschreibung und des Vorstellungsgespräches anbietet.

Worte wie „Danke“ oder „Bitte“ stärken die zwischenmenschliche Beziehung. Sie sprechen Ihren Gegenüber also auf einer Ebene abseits des fachlichen bzw. formalen Rahmens an, was unter Umständen zu Ihrem Vorteil werden kann. Uns ist jedenfalls kein Fall bekannt, in dem sich ein Mensch jemals über ein aufrichtig und ehrlich formuliertes Danke beschwert hat.

Das ist doch viel zu altmodisch, oder?

Vielleicht werden Sie jetzt einwenden, dass ein Dankschreiben ein Relikt aus alten Zeiten ist, dass es sehr aufdringlich wirkt und den Personaler nur bei der Arbeit stört.

Es kommt jedoch ganz explizit darauf an, wie Sie das Schreiben formulieren, damit Sie genau diese Wirkung nicht erzeugen.

Verboten sind deswegen:

    • starkes Schleimen
    • übertriebenes Loben und Schmeicheln des Arbeitgebers
    • lügen (wenn das Gespräch nicht gut verlaufen ist, sollten Sie nicht das Gegenteil behaupten)
    • regelrechtes Betteln um die Stelle

Wie sollten Sie also stattdessen vorgehen? Wir haben für Sie das grundlegende Vorgehen zusammengestellt und zusätzlich Dinge aufgelistet, die Sie bei der Erstellung Ihres Dankschreibens nach einem Vorstellungsgespräch beachten sollten.

Das richtige Vorgehen beim Dankschreiben

Wie beim Bewerbungsschreiben gilt auch für das Dankschreiben die oberste Regel: seien Sie individuell und schneiden Sie das Schreiben direkt auf das jeweilige Unternehmen und die Stelle zu.

Vorgefertigte Muster oder die Verwendung ganzer Textblöcke und gängiger Floskeln, die ein Personaler im Schlaf aufsagen kann, bewirken genau das Gegenteil von dem, was Sie eigentlich bezwecken möchten. Deshalb geben wir Ihnen im Folgenden auch keine konkreten Formulierungen an die Hand, die Sie möglicherweise nur zum Abschreiben verleiten.

Die richtige Struktur beim Dankschreiben

Sie sollten sich an einer gewissen Struktur orientieren. Zwar gibt es nicht unbedingt formale Regeln dafür, wie ein Dankschreiben aufgebaut sein sollte. Trotzdem ist es nicht falsch, sich an bestehenden Strukturen entlangzuhangeln.

  • Persönliche Anrede: Sprechen Sie den Personaler, mit dem Sie das Vorstellungsgespräch geführt haben, direkt an. In diesem Zusammenhang sollten Sie zudem immer dessen genaue E-Mail-Adresse heraussuchen. Das Dankschreiben an eine allgemeine E-Mail, wie etwa karriere@unternehmen.de zu senden, sollten Sie vermeiden.

 

  • Thema klarstellen: Machen Sie direkt im ersten Satz deutlich, dass es sich bei dem vorliegenden Schreiben um ein Dankesschreiben handelt. Daher: Drücken Sie aus, dass Sie sich für das Gespräch bedanken.

 

  • Das Vorstellungsgespräch einbeziehen: Der nächste Absatz eignet sich optimal dafür, das Dankschreiben individuell zu gestalten. Greifen Sie ein oder zwei Punkte aus dem Vorstellungsgespräch auf. Zum Beispiel können Sie erwähnen, auf welche Aufgaben Sie sich besonders freuen und (nochmals) betonen, wie Sie diese mit Ihren Fähigkeiten meistern werden.

 

  • Komplimente machen: Hierbei handelt es sich um einen sehr kritischen Punkt. Auf keinen Fall sollten Sie in irgendwelche Plattitüden verfallen oder ohne erkennbaren Bezug das Unternehmen in den Himmel loben. Überlegen Sie sich stattdessen, von welchen Aspekten Sie im Vorstellungsgespräch erfahren haben, die Ihnen so bislang nicht bewusst waren. So können Sie beispielsweise (in einem angemessenen Ton) die flachen Hierarchien loben oder die positive Arbeitsatmosphäre hervorheben.

 

  • Richtig beenden: Mit dem Schlusssatz haben Sie die Möglichkeit, Ihr Interesse an der angestrebten Stelle ein letztes Mal zu unterstreichen. Sie können etwa schreiben, dass Sie sich sehr auf eine Zusage und die Stelle freuen. Schließen Sie das Dankschreiben mit einer Grußformel und unterschreiben darunter mit Ihrem Namen. Sollten Sie das Schreiben per Mail versenden, empfiehlt es sich, Ihre Unterschrift einzuscannen und anschließend digital einzufügen.

Fassen Sie sich kurz

Allgemein sollten Sie beachten, nicht zu viel um den heißen Brei herum zu reden. Beschränken Sie sich auf das Nötigste, denn: das Dankschreiben ist kein zweites Anschreiben! Daher sollte es maximal eine Länge von einer Seite haben. Wenn Sie weniger Platz benötigen, umso besser. Die Entscheidung, das Schreiben per Mail oder klassisch per Post als Brief zu verschicken, hängt von mehreren Faktoren ab.

Zum einen liegt es in Ihrem eigenen Ermessen, welche Variante Sie bevorzugen. Zum anderen sollten Sie den Kommunikationsstandard des Unternehmens berücksichtigen. Lief bereits der ganze Bewerbungsprozess ausschließlich digital ab und sind zudem Bewerbungen über den Postweg nicht zulässig, sollten Sie sich daran halten und das Dankschreiben ebenfalls per E-Mail versenden.

Das Wort zum Schluss: Bitte bedenken Sie, dass ein Dankschreiben nach dem Vorstellungsgespräch selbstredend kein Garant dafür ist, dass Sie die angestrebte Stelle sicher bekommen. Es kann aber, sofern Sie unsere Tipps berücksichtigen, Ihre Chancen erhöhen und wer weiß, vielleicht macht es ja den entscheidenden Unterschied aus. Wir wünschen alles Gute und viel Erfolg!

Über den Autor

Stefan Gerth

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