Seit einigen Jahren ist in gewissen Bewerbungsratgebern die dritte Seite der Bewerbung oder auch das »Motivationsschreiben« im Gespräch. Über Anschreiben und Lebenslauf hinaus soll der Bewerber auf dieser Seite in freier Form über sich berichten.

„Dritte Seite der Bewerbung“: Vor- oder Nachteil?

Es wird argumentiert, eine dritte Seite der Bewerbung würde vom Personaler mit besonderer Aufmerksamkeit belohnt, weil diese noch vergleichsweise selten sei. Hier könne man die eigenen »Verkaufsargumente« deutlicher herausstellen, als das in Anschreiben und Lebenslauf möglich sei. Die Autoren Hesse und Schrader schlagen dafür Überschriften vor wie »Was Sie sonst noch von mir wissen sollten«, »Ich über mich« oder »Was mich positiv unterscheidet«.

Vorsicht: Manch einem Personalentscheider gefällt so etwas gar nicht, denn der Bewerber zeigt offensichtlich nicht die Fähigkeit, sich auf das Wichtigste zu beschränken und das in Anschreiben und Lebenslauf unterzubringen. Der Personaler hat einfach nicht die Zeit, das alles zu lesen und wird Sie so auch nicht zu einem Vorstellungsgespräch einladen.

Wann macht eine »dritte Seite der Bewerbung« Sinn?

Wer seiner Bewerbungsmappe eine »dritte Seite« beifügen will, sollte

  • noch so viel Wichtiges über sich zu berichten haben, dass er es anderswo nicht oder nur mit größter Mühe unterkriegt
  • am besten darüber berichten, was er für eine außergewöhnliche Persönlichkeit ist oder welche besondere Kombination von Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen ihn gegenüber der Konkurrenz auszeichnen, eventuell auch seine Karrierepläne skizzieren
  • sich bei all dem immer wieder fragen, ob er damit dem Unternehmen seine besondere Eignung für die anvisierte Stelle zeigt – oder nur selbstverliebte Belanglosigkeiten von sich gibt
  • sehr gewandt mit Worten umgehen können, denn diese Art der Selbstanpreisung kippt schnell in peinliche Selbstbeweihräucherung um
  • kein vorgefertigtes Muster oder eine Vorlage verwenden – ein solches Dokument ist stets individuell zu betrachten
  • nicht meinen, er könne damit ein langweiliges Anschreiben und einen unübersichtlichen Lebenslauf ausgleichen
  • Ort, Datum und Unterschrift nicht vergessen

Sinnvoll erscheint eine solche Extraseite, wenn Sie sich um eine Stelle im Bereich Politik, Nichtregierungsorganisationen (NRO/NGO), Non-Profit-Organisationen (NPO) usw. bewerben, also etwa bei einer Partei oder Kirche. Inhalt ist dann Ihr Glaube, Ihre Gesinnung, Ihre Überzeugungen und Ziele – in einer ausführlicheren Form, als es das Anschreiben gestattet.

Abzuraten ist von einer »dritten Seite«, wenn Sie sich jedes Wort mühsam aus den Fingern saugen müssen. Blähen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen nicht unnötig auf.

➥ Was eine dritte Seite der Bewerbung beinhaltet und wie diese aufgebaut ist, erfahren Sie in dem Beitrag „Motivationsschreiben: Was steht drin? Wie ist es aufgebaut?

*****

Lesen Sie hier, welche empfehlenswerten Alternativen es in der »dritten Seite« gibt >>

Lesen Sie hier wann Sie anfangen sollten, Zeugnisse zu sammeln >>

Über den Autor

Stefan Gerth

Kommentar hinterlassen

*