1. Das Bewerbungsgespräch

Das Bewerbungsgespräch ist in Deutschland die beliebteste und am weitesten verbreitete Methode in der Personalauswahl. Es genießt sowohl bei Personalern als auch bei Bewerbern hohe Wertschätzung und bietet die Möglichkeit, sich ein Bild vom Gegenüber zu machen. Ziel ist es, durch den direkten, persönlichen Austausch relevante Informationen als Entscheidungsgrundlage zu erhalten.

2. Warum Sie „dennoch“ nervös sind

Nervosität ist eine Reaktion des Nervensystems auf eine Stress auslösende Situation. Die meist körperlichen Anzeichen der Nervosität sind auf Reaktionen des vegetativen Nervensystems (Sympathikus, Parasympathikus) zurückzuführen und können nicht bewusst gesteuert werden.
Der Sympathikus schüttet vermehrt Hormone aus, welche für Spannungszustände verantwortlich sind. Der Parasympathikus hingegen ist der Gegenspieler und sorgt für Entspannung.
Auf die Angst davor, sich zu blamieren, nicht geeignet zu sein oder sogar schlichtweg die Angst vor der Angst reagiert der Sympathikus damit, Vorbereitungen für die scheinbar gefährliche Situation zu treffen.
Im Notfall könnten Sie blitzschnell fliehen oder angreifen. Das ist in einem Vorstellungsgespräch keine angemessene Reaktion. Darum ist es besser, vorher anzusetzen, um etwas an der Einstellung zu verändern.

3. Anzeichen der Aufregung

Von außen ist dies vor allem durch eine unruhige Körperhaltung, einer angehobenen Stimmlage und schnellem, wenig kontrolliertem Sprechen wahrzunehmen. Sie werden dies zum Beispiel durch Herzrasen, Schweißausbrüche und Zittern bei sich bemerken.

4. Die Macht der Gedanken

Ein Personaler wird Selbstbewusstsein und eine positive Ausstrahlung bemerken und meist besser bewerten. Ein Grund mehr dafür zu sorgen, sich wohl zu fühlen.

Self fulfilling Prophecy

Mit der Erwartungshaltung, dass eine gewisse Situation eintreffen wird, richtet eine Person sowohl ihren Aufmerksamkeitsfokus als auch ihre Handlungen unbewusst so ein, dass das Eintreten der erwarteten Situation wahrscheinlich wird.

Sätze wie: „Ich schaff das eh nicht“ oder Gedanken wie: „Ich werde bestimmt stottern.“ sollten daher aus Ihrem Wortschatz gestrichen werden. Auch das Ausmalen von Horrorszenarien verschlimmert die Angst völlig unnötig.

Verstärkte Selbstaufmerksamkeit

Aufmerksamkeit ist etwas sehr Selektives. Richten Sie die gesamte Aufmerksamkeit auf mögliche körperliche Beschwerden und die Nervosität, so erscheinen die Symptome plötzlich immens und werden sogar noch schlimmer.

Körperhaltung

So wie es möglich ist, mit dem Gedanken seinen Körper zu beeinflussen, ist dieser Mechanismus auch umkehrbar. Ganz bewusst eine entspannte, selbstbewusste Körperhaltung einzunehmen, seine Atmung zu verlangsamen und die Gesichtsmuskulatur zu lockern oder gar zu lächeln, führt zu einer sofortigen Verbesserung des Wohlbefindens.

5. Tipps für eine gute Vorbereitung

Die halbe Miete, um entspannt zu sein!

Der Schlaf

Die Nacht vor dem großen Tag und das Einschlafen wollen einfach nicht gelingen. Sich dazu zu zwingen ist mit Sicherheit nicht zielführend. Zur Beruhigung: Der Körper kommt mal mit einer Nacht ohne Schlaf aus.

Kleidung

Tragen Sie Dinge, in denen Sie sich wohl fühlen! Sollte die Kleidung neu sein, empfiehlt es sich, diese vorher schon einmal Probe zu tragen, um sich an das Tragegefühl zu gewöhnen. Kleiden Sie sich angemessen, aber verkleiden Sie sich nicht.

Das Frühstück

Jedes Kind lernt, dass man nicht mit leeren Magen aus dem Haus soll. Bei Aufregung stellt sich oft das Gefühl ein, nichts herunter zu bekommen. Zumindest ein Smoothie, Joghurt oder etwas Obst sollte aber drin sein. Von schwerem und fettigem Essen ist allerdings in jedem Fall abzuraten, dies steigert nur das Unwohlsein.

Nicht so viel Kaffee

Wenn Kaffee für Sie zwingend zum Tagesablauf gehört, sollten Sie ihn nicht einfach weglassen. Darauf könnte der Körper mit Kopfschmerzen reagieren. Koffeinhaltige Getränke dennoch lieber reduzieren. Diese verstärken die Nervosität bloß.

Anreise

Es gibt wohl kaum etwas Unangenehmeres, als zum Vorstellungsgespräch zu spät zu kommen. Der erste Eindruck ist dahin, wenn Sie verspätet, verschwitzt und völlig gehetzt zum Kennenlernen erscheinen. Planen Sie im Vorhinein genau Ihre Anreise und bauen Sie einen Sicherheitspuffer ein. Dieser variiert je nachdem, was beachtet werden muss (Verkehrsmittel, Staugefahr, Parkmöglichkeiten etc.). Lieber großzügig planen und die Wartezeit gegebenenfalls in einem Café in der Nähe verbringen. Erkundigen Sie sich im Vorhinein auch immer nach den genauen Ansprechpartnern.

Das Warten

Ein Sicherheitspuffer ist wie vorher beschrieben in jedem Fall zu empfehlen. Sollten Sie jedoch viel zu früh da sein, ist davon abzuraten, die Zeit nervös wartend vor dem Gebäude zu verbringen. Zur Entspannung könnten Sie einen kleinen Spaziergang machen, in einem Café noch etwas trinken, entspannende Musik hören oder Entspannungsübungen machen. Auf keinen Fall sollten Sie die Zeit mit zusätzlichen Stressoren wie dem Checken von E-Mails oder sozialen Netzwerken verbringen.

Personaler sind Menschen

Versuchen Sie, die Situation mit Abstand zu betrachten. Das Vorstellungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Nicht nur die Personaler sind in der Auswahlposition, auch für Sie ist das Vorstellungsgespräch eine Möglichkeit, einen Eindruck von dem möglichem Arbeitgeber zu bekommen. Heutzutage müssen Unternehmen um gute Leute kämpfen. Diese Sicht befreit Sie vielleicht von dem Leistungsdruck.

Ein letzter wichtiger Tipp:

Versuchen Sie nicht mit aller Macht gegen die Aufregung anzukämpfen. Akzeptieren Sie viel eher, dass es okay ist, nervös zu sein. Ein bisschen Nervosität hat sogar Vorteile! Der erhöhte körperliche Erregungszustand macht sie nämlich leistungsfähiger.

Was sonst noch hilft:
Tee: Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Kamille, Lavendel, Melisse, Passionsblume.
Außerdem: Bewusstes Atmen, Atemübungen, autogenes Training, Yoga, Meditation.

Noch eines:

Sich zu sagen: „Ich kann das“, bringt gar nichts. Besser: „Ich werde das schaffen!“ Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren künftigen Vorstellungsgesprächen!

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Über den Autor

Stefan Gerth

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