Sollten Sie eine körperliche Beeinträchtigung im Anschreiben erwähnen? Ja, wenn sie offensichtlich ist oder Sie sich ab 50 Grad Behinderung bei einem öffentlichen Arbeitgeber bewerben. Nein, wenn sie eher unauffällig ist und Sie Vorbehalte besser persönlich aus dem Weg räumen können.

Weniger offensichtliche Beeinträchtigungen

Eine weniger offensichtliche Krankheit oder Behinderung in Ihrer Bewerbung zu verschweigen kann Ihre Chance erhöhen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Stimmen dann alle anderen Faktoren und vor allem die »Chemie«, können Sie eventuelle Vorbehalte persönlich aus dem Weg räumen.

Laut Gesetz darf man Sie auch im Vorstellungsgespräch nicht danach fragen; andernfalls haben Sie das Recht, die Unwahrheit über Ihre körperliche Beeinträchtigung zu sagen. Mit einer Ausnahme: wenn Sie durch die Krankheit oder Behinderung nicht in der Lage wären, die Stelle auszufüllen.

Offensichtliche Beeinträchtigungen

Sind Sie hingegen offensichtlich chronisch krank oder behindert, sprechen Sie das Thema bereits im Bewerbungsanschreiben offen und selbstbewusst an. Hier herrscht auch bei Personalern viel Unwissenheit und Sie müssen mit Vorurteilen oder auch Hemmungen rechnen. Beschreiben Sie kurz und präzise, in welcher Form Sie beeinträchtigt sind oder eben nicht und welche Arbeiten Sie trotz Ihrer körperlichen Erkrankungen problemlos bewältigen können, wenn Ihnen diese oder jene Hilfe oder Erleichterung zur Verfügung steht.

Öffentliche Arbeitgeber sind verpflichtet, Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung einzuladen, sofern sie nicht »offensichtlich« fachlich ungeeignet sind. Fragen Sie also gegebenenfalls Ihren Arzt, ob die Anerkennung einer Behinderung von mindestens 50 Prozent realistisch ist.

*****

Lesen Sie hier, wie Sie Auszeiten (inklusive langer Krankheiten) im Lebenslauf richtig darstellen >>

Lesen Sie hier alle Artikel zum Thema Bewerbungsanschreiben >>

 

Über den Autor

Stefan Gerth

Kommentar hinterlassen

*

2 Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Bergfeld,

    ich hatte vor drei Jahren einen Verkehrsunfall, habe aber kurz danach (unter Schmerzen) weiter gearbeitet. Seit Jahren habe ich aber Beschwerden, die bisher nie richtig behandelt wurden, weil die richtige Diagnose fehlte.

    Meinen letzte Anstellung habe ich aufgrund dieser chronischen Schmerzen vor 6 Monaten gekündigt, und nun endlich einen Arzt gefunden, der die richtige Diagnose gestellt hat und ich habe nun eine Einweisung ins Krankenhaus erhalten. Ich warte nur noch auf den frei werdenden Platz in einem Spezial-Krankenhaus. Die Behandlung soll ca. 3 Wochen dauern.

    Meine Frage ist nun: ich bewerbe mich seit meiner Kündigung weiterhin und habe nun ausgerechnet jetzt ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle, die sofort angetreten werden sollte. Wie gehe ich mit dem geplanten Krankenhausaufenthalt um? Nach Jahren der Schmerzen kann ich ihn eigentlich nicht verschieben, andererseits wäre die neue Stelle auch sehr wichtig. Was kommuniziere ich an mögliche Arbeitgeber diesbezüglich?

    Vielen Dank,
    Isabel

    • Hallo Isabel,

      das ist leider eine sehr verzwickte Situation, in der Sie sich da befinden.
      Es ist natürlich verständlich, dass Sie die Stelle gerne antreten würden. Darum empfehle ich Ihnen das Vorstellungsgespräch auf jeden Fall wahrzunehmen und von vornherein mit offenen Karten zu spielen. Präsentieren Sie sich bei Ihrem Vorstellungsgespräch so professionell wie Sie nur können und setzen Sie alles daran, Ihr Ziel, also die Position zu bekommen, zu erreichen. Stellen Sie jedoch auch klar, dass Sie aus eben diesen (sehr nachvollziehbaren) Gründen, erst in frühestens drei Wochen mit der Arbeit beginnen könnten. Da es sich nur um wenige Wochen und nicht etwa Monate handelt, stehen Ihre Chancen nicht allzu schlecht, dass Ihr potenzieller Arbeitgeben Verständnis für Ihre Situation zeigt und gerne auf Sie wartet.