Besonders für Berufsanfänger, bei denen die schulische Ausbildung, die Lehre oder das Studium der nahezu einzige Qualifikationsgrund für einen Job ist, stellt sich die Frage, wie sie eine lange Ausbildungszeit richtig darstellen.

Lange Ausbildungszeit im Lebenslauf

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Das soll nicht heißen, dass Bewerber, die bereits über praktische Berufserfahrung verfügen, es mit der Begründung leichter haben. Der einzige Unterschied ist, dass Hochschul-, Ausbildungs- oder Schulabsolventen, die bisher über keine Berufserfahrung verfügen, nur sehr wenige andere Qualifikationen in Ihrer Bewerbung nachweisen können, mit denen Sie eine überdurchschnittlich lange Ausbildungszeit richtig darstellen oder kompensieren können.

Tipp: Eine lange Ausbildungszeit richtig darstellen durch eine gute Begründung!

Den Grund benennen…

Haben Sie einen wirklich guten Grund dafür, dass Sie für Ihren Schulabschluss, Ihre Ausbildung oder Ihr Studium unverhältnismäßig länger gebraucht haben als andere? Dann sollten Sie diesen offen und ehrlich in Ihrer Bewerbung benennen. Ob es sich nun um eine Krankheit, einen Umzug oder Sonstiges handelt, spielt keine Rolle. Bei einer guten Begründung geht es nicht um schlimm oder weniger schlimm. Das einzige Kriterium, das es zu beachten gilt ist nur: Der Grund muss nachvollziehbar sein.

Häufig kommt es jedoch vor, dass Bewerber Ihre lange Ausbildungsdauer nicht begründen. Der Grund dafür ist häufig Scham, Ärger oder Trauer, die Sie davon abhalten, eine Erklärung abzugeben. Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, wenn Sie sich unwohl dabei fühlen, einem Fremden Ihre persönliche und vor allem schwierige Situation offenzulegen. Doch leider können Sie von einem Personaler nicht erwarten, dass er erraten kann, weshalb Sie Ihren Abschluss nicht in der angedachten Regelzeit zu Ende gebracht haben.

Um sich ein Bild davon machen zu können, welche Entschuldigungen für eine übermäßig lange Schul-, Ausbildungs- oder Studienzeit gravierend und nachvollziehbar sein könnten, schauen Sie sich die folgenden Möglichkeiten doch einmal an:

  • Sie waren längere Zeit krank und konnten nicht zur Schule/Uni gehen
  • Ein Wechsel der Schule war notwendig, weil Ihre Eltern umgezogen sind (anderer Leistungsstand der Mitschüler, bei anderem Bundesland sogar anderer Lehrplan)
  • Sie mussten sich über einen längeren Zeitraum intensiv um ein krankes Familienmitglied kümmern
  • ein Verwandter/Partner ist gestorben
  • Sie mussten unter sonstigen besonders schwierigen familiären Bedingungen lernen (z.B. Trennung der Eltern)
  • neben dem Studium mussten Sie häufig arbeiten, um sich Ihren Lebensunterhalt zu verdienen

Dies sind nur einige Beispiele, die Ihnen zeigen sollen, wie Sie eine lange Ausbildungszeit richtig darstellen können. Weiterhin schaffen Sie es durch diese verschiedenen Gründe auf unterschiedliche Arten das Verständnis Dritter zu wecken. Auch wenn Sie einen vollkommen anderen Grund haben, der Sie nachvollziehbar daran gehindert hat, Ihren schulischen, universitären oder beruflichen Pflichten nachzukommen, ist es selbstverständlich legitim diesen Grund zu nennen.

Dabei brauchen Sie sich nicht den Vorwurf zu machen, Sie wollten durch die Erregung von Mitleid Verständnis für Ihre Situation erzwingen. Sie sollten vielmehr auf die Anerkennung Ihres möglicherweise zukünftigen Arbeitgebers spekulieren, der davon überrascht sein sollte, dass Sie Ihr Ziel trotz der schweren Umstände erreicht haben.

… aber wie?

Um Ihre lange Ausbildungszeit seriös in Ihren Bewerbungsunterlagen zu rechtfertigen, führen Sie den Grund einfach in aller Kürze in Ihrem Lebenslauf auf. Dazu setzen Sie den stichpunktartig formulierten Grund in Klammern direkt hinter den jeweiligen Bildungsabschnitt.

Dies könnte z. B. so aussehen: »(Schuljahr aufgrund dreimonatiger schwerer Krankheit wiederholt.)«

Solche Ergänzungen sind, und das ist ganz wichtig, nur im Lebenslauf und nicht im Bewerbungsanschreiben zu nennen. Dies hat zum einen den Grund, dass Sie sich in Ihrem Anschreiben ja so positiv wie möglich präsentieren wollen, und eine unverhältnismäßig lange Ausbildungsdauer mit diesem Ziel nicht in Einklang zu bringen ist. Zum anderen rechnet ein Personaler mit einer Begründung nicht in Ihrem Anschreiben, sondern übersichtlich neben der betreffenden Station in Ihrem Lebenslauf. Im späteren Vorstellungsgespräch haben Sie dann noch einmal die Möglichkeit, diese Lücken etwas ausführlicher zu erläutern.

Wenn Sie Ihre Ausbildung oder Ihr Studienfach mehr als einmal gewechselt oder übermäßig lange benötigt haben, wird ein Personaler höchstwahrscheinlich auf das Fehlen von Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen schließen. Finden Sie daher gute Gründe für Wechsel und Verzögerungen und benennen Sie diese direkt im Lebenslauf!

Tipp: Lassen Sie eine unverhältnismäßig lange Ausbildungsdauer nicht einfach unkommentiert stehen. Auch wenn eine Begründung für Sie banal oder unwichtig erscheint, sollten Sie immer aus der Sicht des Personalers auf die Situation blicken.

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Über den Autor

Mandy

Mandy ist seit kurzer Zeit im Online-Marketing der webschmiede GmbH tätig.

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2 Kommentare

  • Guten Tag Herr Bergfeld,

    Bedingt durch eine psychische Erkrankung, hat sich meine Studiendauer erheblich verlängert. Letztendlich habe ich jetzt aber mein Studium erfolgreich und mit guten Noten abgeschlossen. Ebenfalls bin ich jetzt nur noch in geringem Ausmaß durch diese Krankheit beinträchtigt.

    Dabei stellt sich mir die Frage, wie ich dies im Lebenslauf benenne, ohne den Leser abzuschrecken. Eventuell: “Trotz widriger Umstände habe ich mein Studium erfolgreich abgeschlossen”, bzw. direkt auf Positives verweise, wie Erfahrung im Umgang mit Schwierigkeiten.

    Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen.

    Mit freundlichen Grüßen, Martin

  • Hallo Martin,

    die Formulierung »trotz widriger Umstände« wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Man sollte daher lieber konkret sein. Leider müssen Sie damit rechnen, dass Sie in Bezug auf Ihre Erkrankung auf Unwissenheit und Vorurteile stoßen. Daher würde ich damit durchaus hinterm Berg halten. Ich würde also eher allgemein von »Krankheit« sprechen oder sogar auf andere Gründe wie einen Auslandsaufenthalt ausweichen. Denn letztlich geht das alles niemanden etwas an, sofern Sie Ihre Arbeit ohne Einschränkung ausüben können. Falls nicht, müssen Sie natürlich mit der Sprache heraus.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

    Herzliche Grüße
    Wolfgang Bergfeld