Das Einstellungsinterview. Sie werden wahrscheinlich nicht durch Ihre berufliche Karriere gelangen, ohne mindestens einmal in den Genuss dieser Auswahlmethode zu kommen. Tatsächlich ist es in Deutschland die mit Abstand beliebteste Methode, um geeignetes Personal zu finden. Doch ist es dafür überhaupt geeignet?

Die Forschung beurteilt das Einstellungsinterview in Wahrheit als nicht verlässlich, um den besten Kandidaten für das eigene Unternehmen zu finden. 90 % der Unternehmen führen zudem unstrukturierte Interviews durch. Diese besitzen jedoch gerade verschwindend geringe prognostische Validität. Validität gibt den Grad an, mit welchem das beobachtete Verhalten das spätere berufliche Auftreten vorhersagt.

Woran liegt es aber, dass ein Einstellungsinterview nicht geeignet ist, um Sie als den perfekten Kandidaten für die vakante Stelle zu erkennen?

10 Gründe für Probleme beim Einstellungsinterview:

1. Unzureichende Vorbereitung der Interviewer
2. Zu großer Redeanteil der Interviewer (meist bis zu 80 %)
3. Fehlender Tätigkeitsbezug der Fragen
4. Wahrnehmungsverzerrung und Urteilsfehler bei den Personalern
5. Anforderungsprofil unzureichend von der beruflichen Situation abgeleitet
6. Kein ausgebildetes Fachpersonal vorhanden, um die Interviews durchzuführen
7. Kompromisse zwischen Interviewern aufgrund von Uneinigkeit (keine qualitative Diagnose)
8. Bewerber und Interviewer beeinflussen sich immer gegenseitig (soziale Situation)
9. Interviewer ist freundlich und positiver zu Bewerbern, die ihm sympathisch, ähnlich und attraktiv erscheinen
10. Nonverbales Verhalten: Bewerber, die konstant Augenkontakt halten, lächeln und nicken, werden vom Interviewer eher akzeptiert

Gefahr:

Urteile sind unfair, subjektiv & methodisch inkorrekt

Lösung:

Interviewer Training! Dabei können die genannten Schwächen durch eine gute Vorbereitung auf ein Gespräch vermieden werden.

Durch die Einhaltung eines standardisierten diagnostischen Prozesses können die Qualitätskriterien des Interviews auf ein zufriedenstellendes Niveau angehoben werden.

Damit das Bewerbungsgespräch bei dem Entscheidungsprozess hilfreich ist, gibt es verschiedene Kriterien, die erfüllt sein müssen.

Methodische Verbesserung:

1. Anforderungsprofil (Welche Merkmale sind wichtig?)
2. Entwicklung des Interviews (Strukturierung, Leitfaden, Fragenkatalog, Kategorisierungsmodell, Probedurchläufe)
3. Auswahl und Schulung der Interviewer (praxisbezogene Trainings)
4. Durchführung und Auswertung (Entscheidung erst nach dem Interview, mehrere unabhängige Beobachter)
5. Evaluation (Validität überprüfen, Verbesserungsvorschläge)

Wenn Sie Glück haben, werden Sie bei Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch auf gut vorbereitete Personaler treffen, die wissen, wie sie die Zeit mit Ihnen bestmöglich nutzen, um Ihnen auf den Zahn zu fühlen.

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Über den Autor

Stefan Gerth

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